Herrenberger Straße 68 · 72070 Tübingen 07071 – 4 99 23 · info@dr-vdg.de · Online-Termin

Diagnostik & Therapie

Erst verstehen, dann behandeln

Eine CMD-Therapie ist nur so gut wie die Diagnostik, auf der sie beruht. Deshalb nehmen wir uns für den Befund Zeit – und beginnen die Behandlung mit Maßnahmen, die sich jederzeit wieder rückgängig machen lassen.

CMD-Befundbogen mit Untersuchungsinstrumenten

Termin 1

Die vollständige Untersuchung

Das Fundament jeder Diagnose – und alles an einem einzigen Termin. Wir untersuchen systematisch:

  • Beweglichkeit des Unterkiefers in alle Richtungen, in Millimetern gemessen
  • Alle Kaumuskeln und die begleitende Kopf-Nacken-Muskulatur durch Abtasten
  • Beide Kiefergelenke in Ruhe und Bewegung, inklusive Geräuschbefund
  • Den Zusammenbiss und Störkontakte
  • Zähne, Zahnhartsubstanz und Schleimhaut auf Belastungszeichen
  • Die Belastungsbefunde der manuellen Strukturanalyse – gewissermaßen ein Belastungs-EKG des Kiefers: Unter definiertem Druck zeigt sich, welche Struktur die Beschwerden auslöst
  • Myofunktionelle Untersuchung: Zungenfunktion und -lage, Lippen und Wangen beim Schlucken
  • Screening der Atemwege sowie Schlafanamnese
  • Screening der Körperstatik – Halswirbelsäule und Becken, immer im Zusammenhang mit dem Kiefer
  • Bei Bedarf eine Bildgebung: ein DVT bei uns im Haus, das Knochen und Gelenkpositionen dreidimensional zeigt, oder eine Überweisung zum MRT, wenn Weichgewebe und Diskus beurteilt werden müssen
  • Eine Diagnostik-Schiene, die Sie mitbekommen: Sie macht das Knirschen sichtbar und lässt Rückschlüsse auf die Funktion zu

Dauer: rund 60 Minuten. Die Untersuchung selbst ist schmerzfrei.

Termin 2

Befundbesprechung

Alle Ergebnisse besprechen wir in einem eigenen, zweiten Termin. Sie bekommen den Befund erklärt, sehen, was die Diagnostik-Schiene gezeigt hat, und wir legen gemeinsam fest, wie es weitergeht. Behandelt wird erst danach.

Erst wenn feststeht, dass es in Richtung Schienentherapie geht, kommt die computergestützte Vermessung der Kiefergelenkbewegung dazu. Sie zeigt uns die Bewegungsbahnen, nach denen die Schiene gebaut wird, und die Kiefermodelle werden dafür in einen Artikulator übertragen – ein Gerät, das Ihre individuelle Kieferbewegung nachbildet.

Unser Untersuchungskonzept

Wir schauen weiter als bis zum Kiefer

Das Kiefergelenk arbeitet nicht für sich allein. Es hängt an der Halswirbelsäule, die wiederum an der Statik des ganzen Körpers hängt – und im Mund an Zungenlage und Atmung. Deshalb gehört bei uns mehr zur Untersuchung als Zähne und Gelenke:

  • Körperstatik: Steht der Körper im Lot, oder gleicht er dauerhaft etwas aus?
  • Screening der Halswirbelsäule
  • Screening des Beckens und der Beckenstellung
  • Zungenfunktion und Zungenlage in Ruhe
  • Myofunktion: Wie arbeiten Zunge, Lippen und Wangen beim Schlucken und Sprechen?
  • Nasenatmung, Mundatmung und Schlafverhalten

Diese Screenings ersetzen keine orthopädische oder osteopathische Untersuchung – sie zeigen uns, ob wir jemanden dorthin weiterschicken sollten und ob die Beschwerden überhaupt vom Kausystem ausgehen. Genau daran scheitern viele Kiefertherapien: Sie behandeln das Gelenk, während die Ursache eine Etage tiefer sitzt.

Alle Behandlerinnen in unserer CMD-Sprechstunde arbeiten nach diesem Konzept. Dr. von der Gracht hat es entwickelt und ihre Kolleginnen persönlich darin eingearbeitet – Sie werden also gleich untersucht, egal bei wem Sie sitzen.

Therapie

Bausteine, die zusammenwirken

Welche Bausteine zum Einsatz kommen, entscheidet der Befund – ein Standardschema gibt es nicht. Meist wirken mehrere zusammen.

Schienentherapie

Je nach Befund eine Knirscher-, Entspannungs- oder Positionierungsschiene – individuell hergestellt und regelmäßig nachjustiert. Sie entlastet Gelenke und Muskulatur und unterbricht das nächtliche Belastungsmuster.

Harmonisierung des Bisses

Wenn die Ursache im Zusammenbiss liegt: gezielte Korrektur der Zahnkontakte, bei Bedarf Anheben oder Absenken des Bissniveaus – immer erst, wenn die Schienentherapie gezeigt hat, dass es die richtige Position ist.

Zahnersatz funktionsgerecht anpassen

Eine zu hohe Füllung oder eine Krone, die nicht in die Bewegung passt, kann eine CMD auslösen. Wir überarbeiten vorhandenen Zahnersatz oder stellen ihn funktionsorientiert neu her.

Physiotherapie & manuelle Therapie

Verspannte Muskulatur braucht Behandlung von außen. Wir arbeiten mit spezialisierten Praxen zusammen und stimmen die Termine auf die Schienenphase ab.

Eigenübungen

Sie bekommen ein kurzes, alltagstaugliches Übungsprogramm. Wenige Minuten täglich – aber regelmäßig – machen in der Regel den größeren Unterschied als jede einzelne Sitzung.

Atmung, Zunge, Schlaf

Nasenatmung, Zungenlage und Schlafqualität beeinflussen die Kieferaktivität direkt. Wo nötig, beziehen wir myofunktionelle Therapie oder Schlafmedizin mit ein.

Umgang mit Anspannung

Stress ist nur selten der Auslöser einer CMD – er verstärkt eine bestehende Problematik aber deutlich. Wir sprechen offen darüber und geben Hinweise, was im Alltag hilft, ohne die Ursachensuche damit zu ersetzen.

Erst zum Schluss: Zahnersatz

Kronen, Kieferorthopädie oder Einschleifmaßnahmen kommen erst infrage, wenn die Funktion stabil ist – und nur, wenn sie wirklich nötig sind.

Wie lange dauert eine CMD-Behandlung?

Das hängt davon ab, wie lange die Beschwerden schon bestehen. Muskuläre Beschwerden bessern sich oft innerhalb weniger Wochen deutlich. Bei länger bestehenden Gelenkveränderungen rechnen wir eher in Monaten – mit Kontrollterminen etwa alle vier bis sechs Wochen, in denen die Schiene angepasst wird.

Wir sagen Ihnen nach der Befundbesprechung ehrlich, was Sie erwarten können. Und auch, wenn wir glauben, dass Ihre Beschwerden eine andere Ursache haben.

Was kostet das?

Funktionsanalyse, manuelle Strukturanalyse und Schienentherapie sind Privatleistungen – die gesetzliche Krankenkasse übernimmt diese Kosten nicht. Private Versicherungen und die Beihilfe erstatten je nach Tarif in der Regel einen großen Teil. Über die Kosten sprechen wir mit Ihnen, bevor die Behandlung beginnt.

Beschwerden abklären lassen

Eine Funktionsanalyse dauert etwa eine Stunde, ist schmerzfrei und schafft Klarheit – auch dann, wenn Sie schon viele Untersuchungen hinter sich haben.